Die Weibchen bleiben stehn, die Männchen müssen gehen

 

 

Die Brennnesselpflanzen die mit ihrem natürlichen Vorkommen das Testbeet in Deckbergen bevölkerten, habe ich bisher dort wo sie störten einfach weggehackt.

 

Die Idee sie zu ernten kam mir bis jetzt nicht. Das lag einerseits daran, dass der Fokus bisher einfach darauf lag, „Unkraut“ durch Kulturnutzpflanzen zu ersetzten, so wie es sich für eine Kulturfläche gehört, andererseits daran, dass man eigentlich keine Pflanzen vom Ackerrand ernten soll, weil man ja nicht weiß, was der jeweilige Bauer gerade „gutes“ auf seinem Feld versprüht hat.

 

Inzwischen ist mir dieses Stückchen Ackerrand vertraut. Ich habe allen Chemieeinsetzen der Vergangenheit und Gegenwart zum Trotz die ersten Radieschen gegessen, die ersten essbaren Blüten, den ersten Feldsalat … .  Ob ich die Chemikalien nun im Brot zu mir nehme oder direkt vom Feld. Entkommen kann ich ihnen ja sowieso nicht. Die Erde ist rund!

 

Ich habe den Raps auf dem Acker nebenan blühen sehen, ich sah ihn reifen. Nun ist er abgeerntet. Was wird dort jetzt wohl passieren?

 

Neben den Beeten und auf meinem Tomatenbeet stehen Brennnesselpflanzen. Auf dem Tomatenbeet sind die ehemals niedergehackten und liegengelassenen Brennnesseln wieder nachgewachsen und laden nun, zartgrün wie sie sind, zur Ernte ein. Ich beschließe, auch dieses zarte Grün zu ernten und mit nach Hause zu nehmen.

 

Zwischen dem Strommast und dem ersten Gemüsebeet wachsen männliche und weibliche Pflanzen. Die Weibchen haben damit begonnen ihre wertvollen Früchte anzusetzen. Die Männchen haben ihre Pollen abgegeben und stehen jetzt staksig in der Gegend herum.

 

In meinem Garten würde ich jetzt die Männchen abschneiden und unter anderem als Brennnesseljauche ansetzen. Hier am Ackerand kann und will ich keine Gefäße aufstellen. Hier bieten sich zwei  Nutzungsmöglichkeiten an, die Verwendung als Mulchmaterial, die ich bisher angewandt habe, und die Fermentation der Stängel, so wie es im Faserpflanzenanbau praktiziert wird. Für die Fermentation wird der Stängel der Brennnessel unzerkleinert auf dem Feld liegen gelassen. Die Bodenorganismen sorgen für den Rest.

 

Gedacht – getan!

 

Den Männchen geht es jetzt an den Kragen. Mal schaun, ob ich mir bald einen Pullover draus stricken kann:)

 

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Blütensalat vom Ackerrand

 

 

Zugegeben, viel Feldsalat gibt es noch nicht zu ernten, vom Testbeet am Ackerrand in Deckbergen. Trotzdem, für einen sommerlichen Blütensalat reicht es dann doch😉

 

Konsequent ohne Bewässerung wuchsen auf diesem Teil der diesjährigen Testphase des Projektes „Essbares Land“ immerhin ein paar Radieschen, Buschbohnen und eben Feldsalat. Wer hätte das gedacht?

 

Im Beet daneben können die ersten essbaren Blüten geerntet werden. Dieses Beet wird einmal die Woche bewässert. Deshalb geht es hier etwas üppiger zu. Vor allem freue ich mich über die blauen Borretschblüten, die blassgelben Speisechrysanthemen und die orange-gelb-roten Kapuzinerkresse Blüten.

 

Zuhause gibt es eine kleine Degustation, denn die Speisechrysantheme ist mir geschmacklich noch unbekannt. Mit einem passenden Dressing wird der Salat zur kleinen Geschmackssensation.

 

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Gefüllte Vollkornroggenwaffel mit Brennnesseldressing, Rucola, Parmesan und Taglilie

Es gab wieder etwas zu ernten im Testbeet am Ackerrand in Deckbergen. Der Rucola wächst ganz erstaunlich gut. Witzigerweise wollte mir der Gärtnermeister im Schulgarten Linden zunächst gar keinen Rucolasamen mitgeben, weil er meinte, der würde dort nicht wachsen. Nun ist es das, was am besten wächst:)

5 Radieschen könnte ich auch mal wieder als kleinen Aufmunterungssnack bei den Pflegearbeiten am Beet in den Mund schieben. Klein, aber oho!

Eine Portion Rucola nahm ich mit nachhause und füllte damit meine selbst gebackenen Experiment- Vollkornroggenwaffeln aus Vollkornroggenmehl, Wasser, Meersalz und eingesalzenen Kräutern (Weinblätter und Schafgabe).

Dazu gesellten sich Brennnesseldressing, kleingeschnittener Rucola, gehobelter Parmesan und Taglilienblüten. Wie der Name schon sagt, blühen Taglilien nur einen Tag lang. Sie öffnen sich morgens und schließen sich abends. Wenn man Sie abends pflückt, tut man der Pflanze außerdem noch etwas Gutes: Es erspart die mühsame Samenbildung und regt gleichzeitig zu mehr Blütenbildung an. Übrigens ist dies nicht nur aus kulinarischer Sicht zu empfehlen (die Blüten schmecken nach einer Mischung aus Kopfsalat und Zuckermais und enthalten viel Vitamin C und Carotin), sondern auch aus ästhetischer Sicht, denn die abgeblühten Schrumpelblüten sind nicht gerade ein optischer Hingucker! Die Taglilienblüte auf dem Foto stammt übrigens von gestern Abend und hat die Nacht im Kühlschrank verbracht. Sieht noch ganz passabel aus oder?

Also unbedingt mal ausprobieren!

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Meine Blumenwiese – Eine Liebeserklärung

 

Jedes Jahr um diese Zeit staune ich über meine Blumenwiese. Sie wurde nicht ausgesät, sondern entwickelt sich seit 3 Jahren in einem stetigen Prozess aus einer ehemaligen Rasenfläche.

Wo jahrzehntelang Kinder tobten und Rasenmäher dröhnten, herrscht nun die Natur.

 

Im ersten Jahr war ich der Verzweiflung nahe. Fast alles was ich meiner Wiese an schönen Blütenpflanzen anbot, fiel der Wühlmaus, die nach dem Neubau auf der angrenzenden ehemaligen Rinderweide zu mir flüchtete, zum Opfer. Auch die Idee, Pflanzen im Topf in die Wiese zu stellen, ging schief: begeistert zogen Milliarden von Wiesenameisen ein, von deren Existenz ich bis dahin völlig in Unkenntnis war.

 

Doch es gab auch Lichtblicke. Die Moschusmalve entwickelte sich prächtig, das Seifenkraut blieb am Leben und der Oregano breitete sich aus. Bereits bestehendes blieb: Blutweiderich, Pfirsichblättrige Glockenblume, Sibirische Iris, Fieberklee, Zitronenmelisse, rotstielige Pfefferminze…

 

Die Natur brachte weitere Highlights dazu: Walderdbeere, Schafgabe, Storchschnabel, Braunelle, Sauerampfer, nesselblättrige Glockenblume und Veronika fraßen sich durch das Gras.

 

Ständig kommt neues dazu, von allein oder als menschliche Zwangsintegration. Jetzt, im Sommer, sitze ich hier und genieße. Die reifenden Früchte von Akelei, Spitzwegerich und Weißklee malen die Frühlingserinnerung ins Bild. An heißen Tagen geben die explodierenden Früchte der Platterbsen ein Kastagnettenkonzert. Schmetterlinge gaukeln durch das sommerliche Blütenfeuerwerk. Hunderte von Käferpärchen treffen sich auf dem reifenden Gras, während die schwarze Königskerze ihren imposanten Blütenstand erhebt und der Schlangenkopf auf seinen Auftritt wartet.

 

Vögel testen den Tiefflug und Minikröten und Blindschleichen kreuzen den von mir getrampelten Pfad.

 

Selbst nachts, wenn die Grillen zirpen und die Glühwürmchen leuchten, gerate ich in den Bann meiner Wiese.

 

Diese Wiese berührt mich, wie es keine noch so schöne Blumenrabatte kann. Hier darf die Natur gestalten. Und manchmal ich.

 

Mit Schere und Hacke dirigiere ich das Spektakel. Manches wird einfach aufgegessen, eingesalzen oder kopfüber zum Trocknen aufgehängt, anderes landet in der Vase oder wird zu Blumenerde kompostiert.

 

Und im Januar, wenn die Tage wieder länger werden und mich die ersten schönen Sonnentage nach draußen locken, gehe ich auf meine Wiese und räume auf. Mit Harke und Gartenhandschuhen nehme ich mir eine Pflanzengattung nach der anderen vor. Alles was im Herbst noch kräftig Widerstand geleistet hat, bricht nun leicht in meinen Händen.

 

Nach getaner Arbeit sitze ich im Sonnenschein auf meiner Wiese und sehe dem  Dampf aus meiner Teetasse beim Aufsteigen zu. Der Geschmack der Zitronenmelisse lässt mich vom Frühling träumen.

 

Er ist schon ganz nah!

Brennnesseln auf der Speisekarte

Nach 6 Jahren  ist es endlich soweit:

Brennnesselgerichte kommen auf die Speisekarte eines Restaurants in Schaumburg!!!

Heute Abend findet die Premiere im „Pfeffer & Salz“ in Obernkirchen statt. Das „Strull & Schluke“ Projekt hat in der Urlaubsabwesenheit des Inhabers Oliver Hering den Betrieb übernommen und sorgt nun für  Snacks und Spaß.

„Strull & Schluke“ Initiator Arne Boecker liegt nicht nur ein abwechslungsreiches Programm aus Musik, Literatur und weiteren Highlights am Herzen, sondern versucht den Schaumburgern auch das Thema gesunde Ernährung lecker an den Gaumen zu zaubern. Mit einem eigens dafür kreierten vegetarischen „Strull & Schluke“ Burger und nun auch mit Brennnesseldelikatessen.

Schon vor 2 Jahren testete er persönlich bei mir den Käsekrustenbrennie, der glücklicherweise offensichtlich bei ihm großen Eindruck hinterlassen hat. Er orderte gleich 10 Portionen.

Nach einigem Hin und Her konnte ich ihn zu einer Brennnesselauswahl überreden. Die Idee der Brennnesseldegustation auf einem Teller hat mehrere Gründe:

Im Sommer ist es gar nicht so leicht zarte Brennnesseltriebe für die Küche zu finden. Zumindest solange die Schaumburger Wirtschaft unsere Wappenpflanze, wie bisher, als regionale Ressource ablehnt. Wenn erst regelmäßig Erntemaschinen die zarten Triebe auf den Feldern abernten, bin ich von der mühsamen Suche und Handernte befreit.

  1. Wenn jemand schon den Mut beweist, trotz bekannter kulinarischer Alternativen die Brennnessel probieren zu wollen, sollte es auch richtig lecker schmecken. Da man sich über Geschmack aber bekanntlich nicht streiten kann, ist die Wahrscheinlichkeit, den perfekten individuellen Genuss in einer Auswahl von Geschmacksvarianten zu finden, natürlich größer als in einem einzigen Gericht.

 

Und so findet sich heute auf der Speisekarte :

 

Die Kraft der Brennnessel auf einem Teller:

 

Käsekrusten-Brennie

…auf wildem Salatbett mit Brennnesseldressing,

 

Brennessel-Kaviar

…auf gekochtem Ei

Brennnessel-Butter

…auf Baguette

 

Und das für den sensationellen Einführungspreis von 5 Euro!

 

Ulli bringt´s :)

Ulli bringt´s:)

Die Kraft der Brennnessel auf einem Teller

Die Kraft der Brennnessel auf einem Teller

3 Radieschen

 

Die erste Ernte an unserem Testbeet am Ackerrand in Deckbergen findet in aller Eile statt. Es ist eine Rettungsernte.

Als ich an diesem verregneten Freitag pünktlich um 17 Uhr eintreffe, überrasche ich die Schnecken inflagranti an den ersten dicken Radieschen. Ich beschließe, schon mal 3 Radieschen zu ernten. Sie sind eigentlich noch zu klein, aber lieber klein als abgefressen.

 

Die Tomatenbefestigung muss erweitert werden, jede der 5 Pflanzen trägt bereits eine grüne Frucht. Eine Hundedame, deren aggressiv kläffende Fußhupe  als erstes auf sich aufmerksam macht, spricht mich erfreut im Vorrübergehen darauf an. „Ja, bald können sie Tomaten ernten“  gebe ich ihr lachend recht.

Ich verkneife mir, sie auf den dicken Hundehaufen anzusprechen, den ich letzte Woche neben dem Beet gefunden habe. Ihr kleines Schoßhündchen dürfte daran unschuldig sein. Insgesamt bleibt das Beet übrigens erstaunlich unbefleckt von den üblichen Einflüssen der Zivilisation: eine Zigarettenkippe mitten auf dem Beet und eine kleine Plastiktüte sind bis jetzt die einzigen Zeugen der vorbeischauenden Menschen.

Um die Tomatenpflanzen vor der Invasion des Grases zu schützen, mulche ich noch mal mit dem Grasschnitt, den die Stadtgärtner großzügig bei der letzten Pflegeaktion liegen lassen haben.

Die rote Melde ist nur noch halb so groß wie letzte Woche. Ich freue mich bei dem Gedanken, dass der erste Spaziergänger geerntet hat und stelle mir vor,  wie er voller Vorfreude die roten Spitzen einsackt um sie in der Küche auf Geschmackstauglichkeit zu testen.

Dann entdecke ich die Schnecke, die noch versteckt an einer der Pflanzen knabbert.

Auch von den 3 Mangoldpflanzen ist die mittlere bereits von Schnecken reduziert worden. Vielleicht erholt sie sich wieder. Die beiden Schwestern sind unversehrt.

Ich zupfe etwas vom unerwünschten Pflanzenaufwuchs aus dem Beet und mache mich mit den 3 Radieschen auf den Weg. Sie sind sehr scharf, aber lecker!

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Schinkennudeln mit Brennnesseln

Mein Fleischkonsum hat sich inzwischen fast bei 0 % eingependelt – wenn ich allein bin.

Für meine Gäste mach ich aber gern eine Ausnahme, vor allem, wenn es sich um männliche handelt. Und so komme ich manchmal doch in den Genuss von Fleischgerichten.

Und ich genieße es!

Nun sind die Männer weitergeradelt und ich verarbeite die Reste vom Büffet. Ich weiß nicht, wie lange ich schon keine Schinkennudeln mehr gegessen habe. Mein Lieblingsessen seit ich denken kann.

So viel Schinken, fast 200 g! Ich beschließe, alles zu Schinkennudeln zu verarbeiten und den Rest portionsweise einzufrieren. Die klassische Zubereitungsweise sieht Eizugabe vor. Doch ich schaue auf den Brennnesselaufstrich und fasse den Entschluss, es diesmal, statt mit Ei, damit zu versuchen.

Wird schon schmecken. Und es hat geschmeckt! Wow!!!

 

Zutaten:

500 g Spaghetti

200 g roher mildgeräucherter Schinken

Brennnesselaufstrich, etwa die halbe Menge von:

500 g Brennnesseln

250 g Butter

1 Knoblauchzehe

Etwas Zitronensaft und abgeriebene –Schale

Meersalz

 

Zubereitung:

Spaghetti wie gewohnt kochen. Parallel dazu Schinken in Streifen schneiden und ohne Fett in einer Pfanne anbraten. Die Spaghetti nach ca. 10 min Kochzeit abgießen, den Schinken und den Brennnesselaufstrich dazugeben. Fertig!

 

Ihr wisst noch nicht, wie man den Brennnesselaufstrich macht?

Ganz einfach: 500 g frische Brennnesselspitzen mit etwas Wasser und Salz 10 min dünsten. Schön ist, wenn das Wasser nach Ende der Garzeit verdampft ist! Während die Brennnesseln garen, Knoblauch fein hacken und etwas Zitronenschale abreiben. Butter (oder vegane Alternative) in ein Glasgefäß geben, die Gewürze dazugesellen, zum Schluss die gehackten Brennnesseln dazugeben alles gut durchmischen und abschmecken.

Die fertigen Schinkennudeln können nach Wunsch auch mit Ketchup und geriebenem Parmesankäse serviert werden.

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